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Bartgeier im Alpenraum Die Rückkehr des Grossvogels

Lange Zeit nannte man ihn Lämmergeier, weil man in diesem grossen Vogel einen Jäger von Lämmern und Gämsen sah. Und man sagte dem Bartgeier auch nach, dass er Kinder raube. Anfang des letzten Jahrhunderts gab es deshalb keine Bartgeier mehr bei uns. 1913 wurde in Italien der letzte in den Alpen erlegt. Der Vogel war in den Alpen somit ausgerottet. Unberechtigterweise – heute weiss man, dass der grösste Vogel der Alpen ein Aasfresser ist.

Bartgeier im Flug
Legenda: Heute hat der Bartgeier ein besseres Image als noch vor 100 Jahren. Staziun ornitologica svizra da Sempach

In den 1980er Jahren begann man dann, die ersten Exemplare auszusetzen. Zuerst in Österreich, dann in Frankreich und Italien. 1991 war es dann auch in der Schweiz so weit. Nach langen Vorbereitungen, kamen die ersten drei Bartgeier, mit den Namen Settschient, Moische und Margunet, nach Zernez. Geboren wurden sie in Aufzuchtstationen in Wien und Berlin. Am 5. Juni 1991 waren die Jungvögel soweit und wurden in der Val Stabelchod im Schweizerischen Nationalpark ausgesetzt. So begann die Rückkehr des Bartgeiers in die Schweizer Alpen.

Menschengruppe hält Kiste mit grossem Vogel in freier Natur.
Legenda: Am 5. Juni 1991 sind die drei Bartgeier im Schweizerischen Nationalpark in Zernez ausgesetzt worden. Keystone

Heute zählt die Schweizerische Vogelwarte Sempach rund 350 Individuen, die in den Alpen leben. Besonders das Engadin gilt als Hotspot für Bartgeier. Aber nicht überall läuft es so gut mit dem grössten Vogel der Alpen, sagt Livio Rey, der Mediensprecher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach gegenüber dem Regionaljournal von SRF.

Der Bartgeierpopulation im Alpenraum geht es grundsätzlich gut – dies vor allem zwischen Ostfrankreich bis ins Engadin. In der Peripherie, im Rest der Alpen, gibt es jedoch eher wenige Exemplare. Dort täte es den Populationen gut, wenn immer wieder Bartgeier aus den zentralen Orten kämen, die auch in die Peripherie fliegen würden.
Autur: Livio Rey Mediensprecher Vogelwarte Sempach

Dennoch scheint die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen eine Erfolgsgeschichte zu sein. Und diese könnte weitergehen. In den nächsten zehn Jahren könnte die Zahl sich verdoppeln. Das zeigt zumindest eine Studie der Stiftung Pro Bartgeier und der Schweizerischen Vogelwarte. Die Prognose sei natürlich erfreulich, sagt Livio Rey und basiere auf das Überleben, der Vermehrung und das Aussetzen der Vögel, was im Moment stattfindet. Eine so starke Zunahme der Population sei aber nur möglich, weil sie derzeit so klein sei.

Drei Karten der Alpen mit Erdbeben von 1997 bis 2017, rot markiert.
Legenda: Brutorte der Bartgeier über die letzten Jahre. Staziun ornitologica svizra da Sempach
Die Population der Bartgeier hat noch nicht dir grösse, die sie auf natürliche Weise haben könnte.
Autur: Livio Rey Mediensprecher Vogelwarte Sempach

Ob die neuen Bartgeier, die dazukommen, sich an denselben Orten niederlassen wie die bereits vorhandenen Populationen oder ob sie sich an neuen Orten ansiedeln, sei nicht vorhersehbar. Wichtig sei einfach, dass die Vögel genügend Nahrung und gute Brutplätze haben. Dann sei es wahrscheinlich, dass Bartgeier brüten.

Steinadler im Sturzflug vor schneebedecktem Berg.
Legenda: Kabel und Leitungen stellen Gefahren für die Raubvögel dar. Staziun ornitologica svizra da Sempach

Aber es gebe auch Gefahren: Die Studie zeige auch, dass die Populationen sensibel seien. Bereits wenige zusätzliche tote Tiere pro Jahr nebst den Bartgeiern, die auf natürliche Weise sterben, könnten zu einem Populationsrückgang führen. Und Gefahren gebe es verschiedene, so beispielsweise Kollisionen mit Windrädern, Eisenbahnlinien oder Bergbahnen. Auch Vergiftungen, Wilderei oder der Tourismus könnten Gefahren darstellen, sagt Livio Rey von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach.

Störungen am Brutplatz können von Personen ausgehen, die die Vögel fotografieren und deshalb zu nahe an die Nester herangehen, oder von Menschen, die zum Angeln kommen. Aber auch Gleitschirme und Drohnen können eine potenzielle Gefahr für den Bartgeier darstellen.

RTR actualitad 11:00

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